Aug 112012
 
Allgemein_Tux_thema_4

Im letzten Teil der Artikelserie ging es hauptsächlich um das Thema Retro und Nostalgie. Als Nostalgiker mag man zeitweise zwischen bekannter Technik und den neuen Möglichkeiten hin und hergerissen sein. Im dritten Teil unserer Reise geht es um ein handfestes Thema. Linux und Kommerz!

Im heutigen Teil Umstieg auf Multimedia Linux geht es unter anderem um die Frage, ob die im ersten Anschein wenig kommerzielle Ausrichtung von Open Source den Fortschritt im Bereich Linuxsoftware bremsen könnte.

Lesen wir dazu doch ein Interview mit einem Insider, einem wahren Experten für freie Software und Linux.

Interview mit Tux

M-L-B: Herzlich Willkommen auf meinem Blog, Tux. Schön, dass du hier exclusiv zu Gast bist.

Tux:Ok, du darfst mich auch duzen. Ich muss deine Aussage allerdings etwas relativieren. Ich stehe für eine große Community, Open Source und gehöre allen gleichermaßen. Wenn ich mich hier irgendwie äußere, dann nicht exclusiv, sondern alles, was ich jetzt hier sage steht unter der GPL.

Räusper! Ich wollte dir in deiner stark gekühlten Interviewbox auch nicht zu nahe treten. Schön, dass du hier bist.

Scherz beiseite. Als sprechender Pinguin, der ansonsten einen Job als Maskottchen des stärksten Betriebssystems hat, freue ich mich immer, in der Öffentlichkeit zu stehen.

Du machst einen sehr überzeugten Eindruck. Fühlst du dich manchmal etwas instrumentalisiert oder ausgenutzt, beispielsweise gerade hier und jetzt?

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Fritz Hug, Königspinguin, 1986


Nein, ganz und gar nicht. Du glaubst nicht, wer sich alles mit meinen Federn schmückt. Ich gebe gerne Interviews, wenn ich dazu aufgefordert werde. Solange ich einen positiven Beitrag dazu leisten kann, um Linux bekannter zu machen, ist mir das sehr Recht.

Ok, machen wir weiter. Passen Linux und technisch aktuelle Multimedia – Präsentationen zusammen oder fehlt es in dieser Hinsicht die kommerzielle Ausrichtung?

Seit ich 1996 die Welt erblickte, war mir klar, dass es außer unixähnlichem – Server – Kram und Terminalsitzungen farbenfroheres zu entdecken gab. Mittlerweile ist dies sicher mehr als nur der Fall. Mit freier Software werden schon lange professionelle Präsentationen erstellt.  Zur Frage der kommerziellen Ausrichtung möchte ich hier erwähnen, Linux hat und die Distributionen drumherum haben einen freien Charakter, sind aber in der Definition nicht kostenlos.
Linux ist nicht kostenlos? Ist es denn nicht möglich, eine Linuxdistribution, sogar den Quellcode des Linuxkerns einfach so runterzuladen und zu nutzen?
 
Ja natürlich! Du musst zwar keine Kreditkarte an die Webcam halten, um Linux runterzuladen. Aber Kosten sind mit dem drumherum schon verbunden. Es gibt eine Menge Leute, die Vollzeit nur am Kern programmieren. Oder die Projekte rund um Linux. Hier sind nicht nur Gnome, KDE etc. mit gemeint, sondern auch die schnell anwachsenden Mannjahre an Programmentwicklung im Open Source Umfeld.
Ist also hier Entwicklungszeit so etwas wie ein Zahlungsmittel?
 
Auch wenn manch Linux – Guru mit langem Bart, der aus Woodstock zu kommen scheint, freie Liebe, ich meine freie Software predigt und jeden kommerziellen Ansatz verteufelt, sind Linux und Open Source sicher ein starker Wirtschaftsfaktor. Der Großteil der Webserver, Großrechner oder Renderfarmen läuft lizenzfrei mit Linux oder freier Software.
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Noch ein Tuxedo – Träger

Auch Linus Torvalds hat kürzlich über den Egoismus rund um das nutzen von Linux gesprochen. Es gibt viele, die etwas in den Linux Topf reinschmeißen. Genau diese Leute holen dann aber auch wieder eine Menge raus. Aber das ist Ok!
Ist Egoismus nicht eine schlechte Eigenschaft?
 
Der angesprochene Egoismus ist eher damit zu vergleichen, dass man im Supermarkt in die unteren Regale schaut, um die günstigeren Angebotenicht zu verpassen. Es geht in die Richtung, sich Vorteile zu verschaffen, die vorhandenen Mittel effizienter einzusetzen. Was sollte daran verwerflich oder moralisch nicht vertretbar sein, wenn sich Leute treffen, die ein Ziel verfolgen, an einer Idee oder einem Projekt gemeinsam arbeiten und als Resultat vom Ergebnis profitieren?
Auch wenn es zum Schluß  nur eine Software ist, die sich niemand mehr kaufen muss?
 
Und jeder, vom Privatmensch bis zum Großunternehmer kann diese Software kostenfrei nutzen. Immer wieder hört man beispielsweise von Großprojekten, bei denen im großen Stil Rechner und Serversysteme auf Linux und freie Software umgestellt werden. In diesen Fällen werden oft Zahlen genannt. Zahlen in Form von Geld, welches beispielsweise in Form von Softwarelizenzen gespart wird, die nicht mehr erworben werden müssen.
Mancher Nutzer tut sich mit dem neuen System etwas schwer. Ist die Windows Seite stärker?
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Abraham Dee Bartlett (d. 1897)

Nein, leichter, verführerischer ;) . Scherz beiseite. Das Nutzen von Software am Arbeitsplatz verlangt immer wieder eine gewisse Einarbeitungszeit der Mitarbeiter. Mit der Zeit stellt sich Sicherheit und Routine ein. Eine komplette Migration auf einen neuen Desktop mit ähnlichen Programmen nimmt vielen die Sicherheit und durchbricht die tägliche Routine entscheidend. Es dauert eine gewisse Zeit, bis das zwischenzeitliche Effizienztief kompensiert wird.
Unternehmen sollten besser nicht zu Linux wechseln?
Der Wechsel muss mit fortlaufenden Schulungen verbunden werden, welche die Vorteile des neuen Systems nicht nur herausstellen, sondern auch an vielen Anwendungsbeispielen deutlich machen. Dann entsteht auch in den Köpfen der Mitarbeiter langsam ein Umdenken, was sehr wichtig ist. Wer in den neuen Werkzeugen gut geschult ist und sich von den Vorzügen überzeugt hat, wird freie Software eher nutzen und die Idee des Wechsels wohlwollend unterstützen.
Der Wechsel zu Linux scheint demnach für viele ein Reizthema zu sein?
Nicht jeder will seine eingefahrenen Gewohnheiten kampflos aufgeben. Deshalb werden Unternehmen, wenn sie clevere sind, ihre Mitarbeiter gut vorbereiten. Dadurch wird Frust abgebaut und weniger inkompetente oder negative Aussagen verbreitet.
Nach der Umstellung auf Linux entsteht in der Firma dann nur ein kleiner Unfriede darüber, dass sich mehrere damit brüsten, die Umstellung auf Linux alleine initiiert zu haben.
Was lässt sich noch über die Qualität freier Software sagen?
 
So gibt es ein großes Interesse an freier Software von vielen verschiedenen Benutzergruppen, welche auch Synergien ausnutzt, um die gesteckten Ziele zu erreichen.
Dass das Endprodukt nicht mittels großer Werbetrommel z.B. in Medien bekannt gemacht wird, heißt nicht unbedingt, dass Open Source schlechter oder besser ist.
Danke für das Interview und gute Heimreise. Vielleicht beantwortest du das nächste sogar die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem?
 
Wenn ich 42 bin, vielleicht. Mach’s gut und danke für den Fisch! ;)

ıllıllı Umstieg auf Multimedia Linux behandelt das Thema nicht rein technisch, sondern befasst sich zudem mit Hintergründen rund um das Thema Open Source und freier Software im Vergleich zu kommerzialisierter Software. Nebenbei und im weiteren Verlauf der Serie werden technische Fragen aus  dem Softwarebereich beleuchtet. ıllıllı

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